OSTERlachen


Ein christlicher Missionar wandert durch die Wüste, als eine hungrige Löwenfamilie brüllend auf ihn zuspringt. Der fromme Mann kniet nieder, schließt die Augen und betet: "Lieber Gott, lass diese Löwen fromm werden!" Stille. Als er die Augen vorsichtig öffnet, knien die Löwen im Sand, die Pranken gefaltet und beten: "Vater, segne diese Speise ..."

Darf man solche Witze im Gottesdienst erzählen? Ja, man darf. Seit Ostern gibt es kein passenderes Fest, um das Lachen der Weltüberwindung anzustimmen. In den Kathedralen des Mittelalters war das Osterlachen zu Hause. Bei der Nachricht "Der Herr ist auferstanden!" bricht die Gemeinde in ein jubelndes Gelächter aus. Tod und Teufel sind überwunden. Da kann man sich auf die Schenkel klatschen und den gehemmten Nachbarn in die Seite knuffen. Da wird aus vollem Herzen gesungen: "Wir wollen alle fröhlich sein, in dieser österlichen Zeit."

Auch bei uns wird die Tradition des Ostergelächters neu belebt. So hielt der nordelbische Bischof Hans Christian Knuth am Ostermontag eine Predigt bei der die Gottesdienstbesucher aus dem Lachen nicht mehr herauskamen. Knuth: "Gelächter ist der Hoffnung letzte Waffe, und am Ostermorgen denken wir an die schönen Witze, wie Menschen in den Himmel kommen."

Kommen ein Busfahrer und ein Pastor an die Himmelspforte. "Du kommst sofort rein", sagt Petrus zum Fahrer. Der Pastor ist enttäuscht. "Nun habe ich mein Leben lang gearbeitet für das Reich Gottes ? und dieser Busfahrer kommt sofort in den Himmel, während ich noch warten muss." "Tja", sagt Petrus, "wenn du gepredigt hast, haben alle geschlafen, aber wenn er gefahren ist, haben alle gebetet."

Witze im Gottesdienst dürfen auch gern selbstkritisch sein. Wie der von den drei Pastoren, die die Fledermäuse aus ihren Kirchen vertreiben wollen. Der erste versuchte es mit einer Flinte, war aber ein miserabler Schütze. Der zweite fing die Tiere ein und setzte sie am Stadtrand aus. Als er zu seiner Kirche zurückkam, waren sie schon längst wieder da. Ich bin meine Fledermäuse für immer losgeworden", erzählte der Dritte. "Wie hast du das geschafft?", fragten die anderen neugierig. Ich habe sie konfirmiert."

Seit Ostern gilt: Angesichts des Ernsten, Ewigen dürfen auch vorletzte kirchliche Institutionen und Würdenträger belächelt werden, weil es um etwas viel Wichtigeres geht: Um Gottes Verheißung, in der es heißt: "Gott wird alle Tränen von unseren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz. Wir werden sein wie die Träumenden, und unser Mund wird voll Lachen sein."

Christian Collin /"Andere Zeiten"