Evangelische Kirchengemeinde Lindenfels

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Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,

heute (12.09.2005) stand im Bergsträßer Anzeiger auf Seite 7 die Überschrift: "Ärzte wollen Biblis B stilllegen."

Welche Ärzte? Sie gehören der IPPNW an. Was ist die IPPNW? Ich habe im Internet nachgesehen. Die IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War) setzt sich dafür ein, erdumspannend Bedrohungen für Leben und Gesundheit abzuwenden. 8.000 Ärzte und Ärztinnen, Medizinstudierende und Fördermitglieder arbeiten in Deutschland über alle politischen und gesellschaftlichen Grenzen hinweg. Sie sagen von sich: "Unsere Medizin ist vorbeugend und politisch: Wir setzen uns für friedliche Konfliktbewältigung ein, für internationale Verträge, für die Abschaffung von Atomwaffen und Atomenergie und für eine Medizin in sozialer Verantwortung.

Weltweit gehören zur IPPNW über 200.000 Mediziner und Medizinerinnen. Sie setzen sich in über 60 Ländern in allen fünf Kontinenten für eine friedliche, atomtechnologiefreie und menschenwürdige Welt ein. Für ihr Engagement haben sie 1985 den Friedensnobelpreis bekommen. Am 9. September hat die IPPNW bei der hessischen Atomaufsicht einen Antrag zur Stilllegung des Atomkraftwerkes Biblis B eingereicht. Nach Auffassung der IPPNW weist das Atomkraftwerk Biblis B "mindestens 49 grundlegende und schwerwiegende Sicherheitsmängel" auf. "Derartige Sicherheitsmängel sind nach dem Kalkar-Urteil des Bundesverfassungsgerichts unzulässig, weil ein Atomkraftwerk stets dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen muss", sagte die Dortmunder Rechtsanwältin Wiltrud Rülle-Hengesbach, die die IPPNW in diesem Verfahren vertritt.

In einem Redebeitrag vom 9.9.2005 zu den 49 Sicherheitsdefiziten bei Biblis B sagte Henrik Paulitz (Atomenergie - Referent der IPPNW) u.a. folgendes:

"Das Notkühlsystem ist falsch ausgelegt." - "Die Gesellschaft für Reaktorsicherheit hat festgestellt, dass dieses System auch eine gefährliche Sicherheitslücke im Hochdruckbereich aufweist. Bei bestimmten Leckgrößen im Kühlkreislauf wird den Berechnungen zufolge der Druck im System so hoch bleiben, dass sogar die Hochdruckpumpen kein Kühlwasser in den Kreislauf hineinpumpen können und es zur Kernschmelze kommt."

"Der Sicherheitsbehälter von Biblis B ist aus Stahl. Die OECD hat einen internationalen Vergleich von Sicherheitsstudien durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass die im Ausland üblichen Sicherheitsbehälter aus Beton oder Stahlbeton bei einer Kernschmelze wesentlich höheren Drücken standhalten. Außerdem platzen Betonbehälter nicht großflächig auf wie der Stahlbehälter in Biblis B. Dass sich Siemens beim Europäischen Druckwasser-Reaktor wie jetzt in Finnland vom Stahl abgewandt hat und nun einen Sicherheitsbehälter aus Stahlbeton baut, belegt, dass Biblis B grundlegend falsch konstruiert ist. Ein solcher Sicherheitsbehälter kann auch durch Nachrüstungen nicht auf den Stand von Wissenschaft und Technik gebracht werden."

Henrik Paulitz weist außerdem auf die Gefahr von Wasserstoffexplosionen hin und auf die Gefahr durch ein Leck im Primärkreislauf. Zur Erdbebengefahr sagt Paulitz: "Fakt ist: Nur zwei bzw. vier Kilometer von Biblis entfernt befinden sich zwei potenziell erdbebenauslösende Störungen. Am Standort Biblis können Erdbeben von weitaus größerer Stärke auftreten als die Anlage auch nach diversen Nachrüstungen aushalten könnte. Das geht zum Beispiel aus Veröffentlichungen von Prof. Ahorner hervor, der wiederholt Gutachter der Atomindustrie war. Die hessische Atomaufsicht verlangt von RWE lediglich, dass das Kraftwerk nur 50 Prozent der möglichen Erdbebenstärken aushalten muss. Höhere Erdbebenstärken bleiben hierbei einfach unberücksichtigt. Dies ist rechtlich unzulässig, wie auch das Klageverfahren gegen das Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich gezeigt hat. Mülheim-Kärlich wurde daraufhin stillgelegt."

Bewahrung der Schöpfung auch bei uns - darum geht es.

Ihr Herbert Iglhaut