Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser,

Wie sich doch Gefühle und Bewertungen ändern können! - Wir freuen uns heute über etwas, das uns vor ein paar Jahren erschreckt hat.

Als wir meinten, eine Ecke von der Kirchendecke sei feucht und nach der Ursache des Schadens forschten, entdeckten wir den Echten Hausschwamm. Unsere Reaktion war alles andere als Freude, denn es mußte schnell gegen den Pilzbefall vorgegangen werden. Zum Verständnis zitiere ich aus einem Lexikon:

"Trockenfäule, Zerfall von reifem Holz, der durch Infizierung mit verschiedenen Pilzen ausgelöst wird. Eine der bekanntesten Trockenfäule auslösenden Arten ist der Echte Hausschwamm (Serpula lacrimans). Die Pilzfäden durchwachsen das Holz und ernähren sich von der Cellulose der Holzfasern. Das Holz wird dabei zersetzt und porös, auch wenn es oberflächlich gesund erscheint. Der Name "Trockenfäule" stammt von der pulvrigen Konsistenz des zerfallenden Holzes. Er ist jedoch irreführend, weil der Pilz zum Überleben auch Wasser benötigt. Völlig trockenes Holz kann nur befallen werden, wenn sich in der Umgebung genügend Feuchtigkeit findet, etwa wenn ungeschützte Holzschichten an den Außenseiten von Häusern bis zur an sich trockenen Innenseite reichen. Die sicherste Methode, eine Holzkonstruktion vor der Trockenfäule zu schützen, besteht daher darin, das Eindringen von Feuchtigkeit zu vermeiden."

(Microsoft® Encarta® Professional 2002. © 1993-2001 Microsoft Corporation.)

Wir mussten handeln! Der Dachstuhl der Kirche ist saniert. Das Kirchendach ist gedeckt. Eindringender Feuchtigkeit ist gewehrt. Viel Geld hat es gekostet. Die Landeskirche hat 2/3 der Kosten aus Kirchensteuermitteln übernommen. Gut, dass unser Kirchenvorstand eine Rücklage gebildet hatte, die dazu geholfen hat, unser Drittel zu finanzieren.

Eine schlechte Nachricht bleibt meist nicht alleine. Wir entdeckten, dass auch die Bleiabdeckung des Kirchturmumlaufes (unterhalb der Spitze) viele große Risse hatte, außerdem sind die Sandsteine, die nach außen vorstehen, verwittert. Auf ihnen lagert im Innern des Turmes das Gebälk.

Wer schon einmal mit dem Echten Hausschwamm zu tun hatte, sorgt vor. Jetzt wird unser Kirchturm saniert. Er bekommt eine neue Abdeckung, der Ausstieg für Handwerker wird erleichtert, der Sandstein wird gegen eindringende Feuchtigkeit geschützt, Sicherheitsvorgaben im Treppenaufstieg werden berücksichtigt, die Zifferblätter werden erneuert, der schadhafte Putz ausgebessert und mit einem neuen Anstrich versehen.

Wie sich doch Gefühle und Bewertungen ändern können! - Alle vom Kirchenvorstand wären froh gewesen, hätten wir vor Jahren den Hausschwamm nicht entdeckt.

Inzwischen sind wir ihm fast dankbar. Ohne sein Auftreten hätten wir die vielen versteckten Schäden im Gebälk und im Turm nicht bemerkt und irgendwann wäre dann möglicherweise das Kirchendach eingestürzt.

Schönheitsreparaturen werden von der Landeskirche aus Kirchensteuermitteln nicht mehr finanziert. Unsere Eigenmittel hätten nicht ausgereicht, die Kirche für unseren Ort zu erhalten.

Ein Drittel der Kosten für die Kirchturmsanierung in Höhe von ca. € 80.000,-- müssen wir erbringen. Unsere Eigenmittel kommen aus den Spenden zusammen, die einzelne im Gottesdienst geben oder unabhängig vom Gottesdienst uns zuwenden.

Der gesamte Kirchenvorstand (dazu gehöre ich) ist froh und dankbar dafür, dass es Menschen gibt, die mit ihren Spenden ermöglichen, dass wir das erhalten können, was wir von unseren Vorfahren geerbt haben.

Danke und herzliche Grüße, Ihr

Herbert Iglhaut